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Uetikon, 2.2.25

Dear Classic Car Driver

Das Datum fliesst nicht mehr ganz so widerstandslos in die Tasten wie vor 3 Jahren – was allerdings weniger an meinem Alter als daran liegt, dass es heute nicht mehr einfach 4mal eine 2 ist, die es zu tippen gibt…

Wie vor einiger Zeit angekündigt, will ich heute mangels «Driving Acitvities» ausführlicher über ein Automuseum berichten, das Iris und ich anlässlich unserer Süddeutschland-Ferien mehr oder weniger zufällig entdeckt haben.
Anlässlich der Planung des Rückwegs von Kassel nach Nürnberg stach mir ein Name ins Auge: Wartburg (die richtige Burg), ein Wahrzeichen von Eisenach. Auch dieser Name brachte eine Saite zum Schwingen: da war doch die Verbindung  zu BMW? Das gabs doch Autos und Motorräder der Marke EMW, anstatt Bayern - Eisenach?
Wie heutzutage üblich: Google und Wikipedia brachten die Klärung – und Google Maps förderte den Standort ebendieses Museums zutage. Was ich dann auf der Homepage sah, weckte trotz der etwas negativ angehauchten Erinnerungen an die wenigen Wartburg, die ich gesehen und gerochen hatte, mein Interesse, zumal hier einst BMW Dixi produziert wurden, die, wie man als CCC Mitglied weiss, Lizenzfabrikate des Austin Seven waren. So war die Verbindung zu unseren Autos hergestellt und das etwas schlechte Gewissen beruhigt….

In den nachfolgenden Bildgalerien habe ich meine Eindrücke des Museums zusammengestellt – vielleicht können sie diejenigen der offiziellen Homepage ergänzen. Zur Geschichte des Museums heisst es dort:

Im Jahr 1967 wurde durch das damalige Automobilwerk Eisenach (AWE) ein Ausstellungspavillon an der Wartburgallee – direkt an der B19 – eröffnet und dort bis zum Jahr 1995 betrieben. Ende der 90er Jahren ging das Museum – Dank des Engagements des Vereins Automobilbau-Museum e.V. in die Trägerschaft der Stadt Eisenach über, um damit langfristig diese technischen Kulturgüter in Eisenach zu halten und zu präsentieren. Da der bisher genutzte Ausstellungspavillon geräumt werden musste, konnte 1998 ein denkmalgeschützte Industriegebäude auf dem ehemaligen Betriebsgeländes des Automobilwerks von der Stadt Eisenach erworben werden. Seit dem 4. Juni 2005 befindet sich hier das Museum unter den neuen Namen „automobile welt eisenach“ und zeigt deutsche Automobilgeschichte des Standorts Eisenach.

Was ich im Museum als erstes gelernt habe, ist, dass Wartburg am Anfang seiner Geschichte absolut kein Auto dritter Klasse war, ganz im Gegenteil.

Gegründet wurden die Automobilwerke Eisenach bereits im Jahr 1896. Bereits 1898 wurden die ersten Wartburg-Automobile produziert.
Ab1900 hiessen die hier hergestellten Autos dann DIXI (in dieser Zeit wurde auch der Lizenz-Seven gebaut). Die Firma geriet in finanzielle Schwierigkeiten, sie wurde alsdann 1928 von BMW aufgekauft. 1945, nach Kriegsende, wurden das Werk und die Finanzen von BMW vom «Ostblock» beschlagnahmt, von da an erfolgte die Produktion nach planwirtschaftlichen Vorgaben. Ab 1952 war das Werk in Eisenach ein VEB (volkseigener Betrieb) unter dem Namen EMW. Die Autos dieser Phase prägten wohl das Bild, das mir (und meinen Zeitgenossen) von Wartburg geblieben ist: kleine, nicht sonderlich attraktive Autöli mit Zweitaktmotor…
Was mir ebenfalls nicht bekannt war: ab 1990 produziert Opel in Eisenach Autos.

Wer Genaueres wissen möchte, kann sich die gesamte Geschichte mitsamt historischen Bildern hier anschauen.

Unser Besuch fand passenderweise an einem trüben Herbsttag statt, also die richtige Stimmung, um einen eher tristen ehemaligen DDR-Bau zu besuchen. Von aussen präsentieren sich die Gebäude tatsächlich wenig attraktiv, auch die Wartburg selbst war mehr oder weniger lediglich als Silhouette am Horizont auszumachen  - ebenfalls nicht sonderlich einladend…

Dafür ist das Innere des Museums durchaus den ungewohnt bescheidenen Obulus vollumfänglich wert, den man zu entrichten hat. Die ganze Geschichte der Marken, die hier produziert wurden (und werden) ist mit Motoren, Autos, Motorrädern, Booten, Dioramen und reich bebilderten  Informationstafeln sehr schön präsentiert. Sogar ich als nicht unbedingt Fan von deutschen Autos bin beeindruckt und werde sicherlich wieder hingehen, sollte es sich mich dereinst wieder einmal in diese Gegend verschlagen.

Bildgalerien

Erste Halle

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Trübe Stimmung, die Wartburg am Horizont, restauriertes Werksgbäude,  (sehr!) originale Fahrzeuge aus der Gründerzeit, DIXI, der berühmte BMW 328

Zweite Halle

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Zweiter Weltkrieg mit Übergang in die 50er Jahre unter planwirtschaftlicher Leitung von Russland und später DDR. Wie man sieht, wurden auch Renn- und Sportwagen produziert. Schön zu sehen auch die verschiedenen Embleme (EMW mit roten statt blauen "Rotorflügeln").

Dritte Halle

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Eher triste Zeiten unter DDR Fuchtel, während der man zum Teil jahrelang auf sein Auto warten musste - und dafür später auch alles selbst reparieren musste (ob die PinUps ebenfalls der Planwirtschaft entsprungen sind???)

Vierte Halle

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Werkstätten, Karrosseriebau, Übergang zu Opel in den 90eer Jahren und später, verwahrlostes Fabrikgebäude

Fünfte Halle

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Einblicke in die ehemaligen Fabrikhallen, Prototypen, Motorräder, Velos, Boote, Renn-und Rallyewagen. All dies wurde einmal hier hergestellt... Vergleich von Ausweisen und Fahrschulen zwischen Ost und West. Zu guter Letzt: bei dieser Anordnung der Pedalen ist es sicher sinnvoll, diese auch eindeutig zu beschriften.....

Nachtrag

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Alois Bättig hat mir als Reaktion und Ergänzung zu obigem Bericht folgendes geschrieben, das ich sehr gerne anfüge:

«Das Einstiegsbild zur 5. Halle ziert ja ein Melkus RS 1000. Diese DDR-Sportwagen wurden im Westen jahrzehntelang belächelt und als Ostblock-Schrott abgetan, der eh nichts tauge. Little did they know. Im nachfolgenden, sehr hörenswerten Podcast erzählt Peter Melkus aus der sprichwörtlichen „Alten Schule". Keiner macht sich eine Vorstellung davon, welchen Aufwand, welche Kraftakte und auch „Buebetrickli" die Familie Melkus (Vater Heinz, Söhne Ulli und Peter) anwenden musste, damit sie in der Freizeit und immer schön unter dem Radarschirm der DDR Big Wigs ihrer Passion nachgehen und ein Sportcoupé bauen konnte, mit dem sie es dann tatsächlich auch auf die Rennstrecke schafften. Logisch war der Wagen „dank" des Wartburg (aka DKW-Vorkriegs-) Zweitakters den „Wessies" auf dem Papier eklatant unterlegen. Melkus machte dies jedoch durch ein sehr kompetititves Fahrwerk und Leichtbau, wo es ging, teilweise wett. Es ist spannend, was das Trio alles unternehmen musste, um an Teile zu kommen, die ja schliesslich für die Brot-und-Butter Sachsenring-Plastik-Bomber schon sehr schwer zu kriegen waren (nicht umsonst wartete man als Käufer auf einen Trabi 10 Jahre, von einem Wartburg ganz zu schweigen). Insofern gibt es durchaus Parallelen zu den Brit „Homestead Schraubern" in ihren Anfängen wie Colin Chapman, Trevor Wilkinson etc. etc., die ja auch immer auf der Suche nach Grossserien-Teilen (Ford!) und vor allem auch den dafür nötigen Finanzen waren. 

Wie gesagt: Es lohnt sich den Podcast durchzuhören. Seither habe ich eine gehörige Portion Respekt für diese Unternehmer, die ihren Weg trotz immenser Kommunisten-Hürden genommen haben. Es ist auch nicht ganz uninteressant, dass heute für einen echten Melkus RS 1000 weit über 100'000 Euro bezahlt werden. Ebenso spannend: Melkus baut die Autos heute im Einzelsprung-Verfahren wieder. Preise ab EUR 130k ... Und es gibt erhebliche Wartefristen. So much for true aficionados.»

Hier der Link zum Podcast:

https://www.youtube.com/watch?v=pWSt9SS0kxo

Und hier der Link zu Melkus' Website, spezifisch „Neuaufbau RS 1000):

https://www.melkus-motorsport.de/melkus_rs1000.html

Die technischen Daten zum Melkus RS 1000 finden sich hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Melkus_RS_1000

Zu guter Letzt:
Insbesondere  in den 50er und 60er Jahren wurde alles, was aus dem Ostblock und insbesondere aus der DDR kam, wie Alois richtig bemerkt, zum Vornherein gleich als unbrauchbarer Schrott abgetan. Dies stimmte natürlich auch zum grossen Teil, insbesondere, wenn man es mit dem damaligen Erzeugnissen «Made in Western Germany» verglich, das sogar unter jedem Blech-Modell-Auto (und damit in unser Bewusstsein) eingeprägt war.
Was vergessen wurde (und zum Teil auch heute noch wird), war, dass auch in der DDR Deutsche Bürger lebten, die vor dem Krieg absolute Spitzenerzeugnisse hervorbrachten, man denke dabei zum Beispiel an Zeiss Jena oder die Glashütten-Uhrenmanufakturen. Wie obenstehend war ja auch Wartburg eine respektable Automarke, die erst nach dem Krieg zusammen mit den Trabis zum Synonym der 2-Takt-Räuchlein-Kisten wurde.
In Eisenach kam übrigens Johann Sebastian Bach zur Welt – dies nur nebenbei.
Dass die in der DDR lebenden Spitzenleute sich nicht entfalten konnten, lag, wie bereits mehrfach erwähnt, an der katastrophalen Planwirtschaft des damaligen Regimes.

 

Bis bald am Kegelabend. Dann wird es wieder eher sportlicher zu und hergegen....

Yours very sincerely<
Urs