
Dear Classic Car Driver
Einmal mehr habe ich das Vergnügen, über ein erfreuliches CCC Weekend berichten zu dürfen. Dieses Jahr haben wir uns wieder einmal über die Grenze zu unseren Nachbarn im Norden gewagt und haben Baden Württemberg unsicher gemacht…
Prolog
Geplant im Grobkonzept war diese Route mitsamt Hotel und Sehenswürdigkeiten eigentlich schon lange, aber damals haben uns die Corona-Bestimmungen einen dicken Strich durch die Organisation gemacht. Das Gute daran war nun, dass wir (Bruno W und meine Wenigkeit) einfach die mehr oder minder pfannenfertigen Unterlagen herausholen und auffrischen konnten, was insbesondere mir einiges an Zeitersparnis einbrachte.

Freitag, 6. September
Damit die Sternenberger nicht extra eine Ehrenschlaufe ziehen mussten, trafen sich die Teilnehmer auf dem Rastplatz Kemptthal, was zwar nicht sonderlich romantisch war, jedoch umso praktischer, da man so gleich auch noch den persönlichen Flüssigkeitshaushalt ausgleichen konnte.
Über Landstrassen gings von der Grenze in Bargen dann allgemeine Richtung Stuttgart mit erstaunlich wenig ungewollten Umwegen, sprich Verfahrern, zum Mittagsziel, dem Wasserschloss Glatt, wo männiglich und weibiglich (gibt’s das???) zunächst am sehr reichhaltigen Kuchenbuffet gütlich tun konnte (so man wollte und den Mut aufbrachte, konnte man jederzeit eine Eiweiss-Beilage in Form einer Wespe zu sich nehmen…). Leider kommen die Schwärme der hungrigen Störefriede auf den Bildern nicht so recht zum Ausdruck…
Offensichtlich versucht man, dem Wasserschloss seine Berechtigung zum Namen zurückzugeben, denn es wird im momentan praktisch trockenen Schlossgraben emsig gegraben. Oder man will vielleicht irgendeiner dräuenden Invasion von wilden Helvetiern Einhalt gebieten können – Rüstungen dazu finden sich zuhauf im Schlossinnern in verschiedensten Modellen (für heutige Angehörige der Spezies Homo sapiens sapiens allerdings müssten die Modelle auf das English Wheel, um sie aufzuspreizen….).
Neben den Kriegsutensilien gibt es im Schloss eine grosse Ausstellung zeitgemässer Kunst aus der Region, die uns von der engagierten Führerin in einem lebhaften Referat nähergebracht wurde.
Dergestalt geistig und körperlich gesättigt konnten wir alsdann den Rest der Strecke unter die Räder nehmen, zeitweise unter der sehr willkommenen Führung von GPS-Profi Alois (es sollte dies nicht sein letzter Einsatz sein…), um schliesslich wohlbehalten im Hotel in Nürtingen einzutreffen, wo bereits Marcel und Brigitte auf uns warteten.
Nach einem währschaften Nachtessen überantworteten sich die Teams Morpheus, dem Gott der Träume.
Start in Kemptthal, wasserloses Wasserschloss Glatt (dafür mit umso mehr Wespen in der Cafeteria), kalorienreicher, historischer und künstlerischer Inhalt

Samstag, 7. September
Mehr oder weniger ausgeschlafen und gesättigt brummten unsere zuverlässigen (was sonst?) Engländer am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein Richtung Tübingen zum Boxenstop-Museum (auch heute erwies sich Google Maps als nicht das ideale Navigier-Werkzeug, was uns bewusst wurde, als wir statt vor dem Museum in einer kleinen Wohnstrasse in Detthausen landeten). Offensichtlich brauche ich Nachhilfestunden im Planen einer Route auf dem Navi, obschon ich dies in vergangenen Zeiten immer problemlos geschafft habe – ob es wohl am Alter liegt?
Jedenfalls konnten wir letztendlich problemlos unsere Lieblinge in einem nahegelegenen Parkhaus deponieren, um nach einem kurzen Fussmarsch (mitten durch einen Antiquitätenmarkt, durch den mich meine liebe Frau mit Gewalt zerren musste, da ich sonst die Hälfte der vorhandenen Goodies sofort gekauft hätte) unser Ziel, das Boxenstop-Museum zu erreichen.
Wie die entsprechenden Bilder zeigen, handelt es sich um eine einzigartige Sammlung von vorwiegend technischen Raritäten von der Vorkriegs-Modelleisenbahn (mit diversen Krokodil-Lokomotiven) über Spielzeugautos und -schiffen, ein Exemplar sogar mit Zweitaktmotor, bis zum Lister Jaguar, Maserati 4CL oder einer Egli-Vincent… Daneben gibt’s auch Modellflugzeuge in rauhen Mengen, Puppenstuben zum Träumen, mechanische Dioramen mit küssenden Figuren (siehe entsprechende Bilder). Ein Tag reicht bei Weitem nicht aus, um alles im Detail zu studieren.
Im Museums-Bistro auf der Terrasse wurde beraten, was weiter zu unternehmen sei – man einigte sich schliesslich auf eine (kurze) Stadtbesichtigung – schliesslich hat Goethe einst hier gewirkt, was eigentlich als Argument bereits genügt. Aber selbstverständlich sind die gut erhaltenen Gebäude der Altstadt jederzeit einen Besuch wert.
Den Abend verbrachten wir dann entspannt unter freiem Himmel beim Italiener, den Bruno mit sicherem Instinkt von Ferne gebucht hatte – es war köstlich.
Boxenstop Museum Tübingen, Tübinger Altstadt mit Markt

Sonntag, 8. September
Nach einem heissen Kampf um Speis und Platz inmitten von angehenden «Geschäftsleuten», die hier wohl ein Seminar abhielten, um die Tricks und Kniffe für erfolgreiche Abschlüsse zu lernen, einigten wir uns darauf, uns via Autobahn zum Porsche-Museum zu verschieben, um etwas Zeit zu gewinnen. Dies gelang tatsächlich auf Anhieb, und wir konnten ohne Mühe unsere in dieser Gegend abartigen Gefährte in der Tiefgarage verstecken, wo sie allerdings inmitten von Zuffenhausens Finest ganz ordentlich auffielen… - und dies nicht nur deshalb, weil sie den Motor an der richtigen Stelle eingebaut haben.
Das Museum ist absolut professionell organisiert und eingerichtet – und nicht zuletzt auch architektonisch genial. Ähnlich dem Mercedes-Museum kann der Besucher unter Zuhilfenahme eines Audio-Guides den chronologischen Werdegang von Porsche nachvollziehen, einerseits via die Persönlichkeiten, die Porsche zu dem werden liessen, was es heute ist, andererseits mittels der Fahrzeuge aus den entsprechenden Perioden.
Auch hier ist wohl für einen einzelnen Besuch die Fülle an optischen Eindrücken und Informationen beinahe zu gross – die Bilder in der Galerie vermögen lediglich einen bescheidenen Eindruck des Museums zu vermitteln.
Beim Start zur Rückfahrt kamen unsere Autos dann doch noch zu Ehren. Es ist nicht aktenkundig, ob die vielen Bilder geschossen wurden, weil die Leute glaubten, es mit Sondermodellen von Porsche zu tun zu haben oder ob sie tatsächlich realisierten, dass sich da Engländer ins Hoheitsgebiet des Heckantriebs gewagt hatten…
Leider machte sich die Sonne etwas rar an diesem Sonntag, sodass wir die Fahrt ins Hotel bei eher grauen Verhältnissen nicht vollumfänglich geniessen konnten, aber zumindest blieb es trocken, bis die Classic Cars unter Dach waren.
Auf die Crews wartete nach dem Apero ein köstliches Nachtessen in einem Chambre Séparée, einem umfunktionierten Speicherkeller, sozusagen als würdiger Abschluss des Tages.
Porsche Museum, Classic Cars vor dem Eingang

Montag, 9. September
Leider hatten die Wetter-Apps wieder einmal recht (wie üblich bei Ansage von schlechtem Wetter). Bereits beim Tanken begann es leicht zu nieseln – dies war jedoch erst ein leichter Vorgeschmack auf das, was auf der Rückreise dann noch kommen sollte. Zunächst beruhigte sich die atmosphärische Situation wieder, es blieb allerdings ordentlich dunkel. Da wir beschlossen hatten, Autobahnen zu meiden, mussten wir mit knirschenden Zähnen die nicht enden wollenden 30er Zonen in beinahe jedem Kaff unterwegs erdulden. Ganz offensichtlich wollen einem auch hier die Grünen weismachen, es gebe mit diesen Beschränkungen weniger Lärm…
Endlich an unserem Zwischenziel, dem Schloss Lichtenstein, angekommen, warfen wir uns voll und ganz in die kulturelle Weiterbildung, die uns der Schlossführer, welcher trotz der eher verhaltenen Temperaturen in kurzen Hosen erschien, erteilte.
Auf der Homepage des Schlosses ist zur Geschichte folgendes zu erfahren:
«Geschichte und Familie
Ein ansehnliches, ritterliches Geschlecht, das sich bis ins 17. Jahrhundert fortgepflanzt hat, waren die Ritter von Lichtenstein. Deren Stammburg, die Burg Lichtenstein, erhob sich oberhalb von Honau unmittelbar über den Quellen der Echaz auf der Stelle des "Alten Lichtensteins".
Den Herren von Lichtenstein (der letzte Lichtensteiner fiel 1687 im Kampf gegen die Türken) gehörten neben ihrem stattlichen Stammsitz außerdem Güter und Rechte in Honau, Ober- und Unterhausen, Holzelfingen und Kleinengstingen.
Im Verlauf der Städtekriege haben sich die Lichtensteiner verschiedentlich die Rache der Reutlinger zugezogen. Letztere haben sich der Burg bemächtigt und diese 1377 zerstört. Diese Burg wurde jedoch nicht wieder aufgebaut. Stattdessen ließ die Herrschaft Württembergs eine andere Burg Lichtenstein erbauen. Jedoch nicht auf dem Platz der alten Burg, sondern 15 Minuten entfernt auf einem von der Albwand abgerissenen Felskegel der selben Felskante.
Die um 1390 entstandene Burg galt als eine der wehrhaftesten des Mittelalters und widerstand allen Angriffen. Sie verlor jedoch im Jahr 1567 ihren Rang als Herzogsitz und verfiel. Im Jahre 1802 wurde sie bis auf die Grundmauern abgetragen und durch ein einfaches Forst- und Jagdschlösschen ersetzt, das nur wenige Meter entfernt erbaut wurde.
1837 erwarb Wilhelm Graf von Württemberg von seinem Vetter, dem König Wilhelm von Württemberg, das Forstschlösschen samt angrenzendem Besitz. Angeregt durch den Roman "Lichtenstein" von Wilhelm Hauff, entstand 1840-42 nach Plänen des Architekten Heideloff und den Ideen des Erbauers Graf Wilhelm von Württemberg eine deutsche Ritterburg im Stil des Mittelalters. Der Neubau bezog die Mauern der alten Burg bis zum zweiten Stockwerk mit ein. Die Nebengebäude, der Burghof und eine Ringmauer mit bastionsartigen Türmen vervollständigten die Burganlage. Die Ausführungen der dekorativen Verzierungen und Wandmalereien in den Innenräumen des Schlosses übernahm Maler Eberlein aus Nürnberg.
Die schaffende, belebende Seele des Ganzen aber war „der erlauchte Bauherr mit seinen genialen Ideen stets selbst", wie zeitgenössische Berichte vermelden. Mit besonderer Liebe und seinem Verständnis für Kunst und Heimat (Graf Wilhelm war 1. Vorsitzender des Württ. Altertumsvereins) wurden die Räume des Schlosses ausgestattet. Schloss Lichtenstein, die romantische Ritterburg im neugotischen Stil, wurde 1842 in Anwesenheit des Königs eingeweiht.
1929 wurde die „Gesellschaft bürgerlichen Rechtes der Familie Dr. Wilhelm Herzog von Urach Graf von Württemberg" gegründet, da das angestrebte Fideikomiss, eine geschichtliche Rechtseinrichtung des Erb- und Sachenrechts, durch das Fideikomissgericht abgelehnt wurde.
Ab 1980 begannen die Restaurationsarbeiten an der Außenseite und an Turm und Dach. Im Laufe der weiteren Jahre bis 1998 fanden Arbeiten am ersten Stock und an wichtigen anderen kunsthistorischen Gebäudlichkeiten und Gegenständen statt. Ab 1998 wurde die Restaurierung der zweiten und dritten Stockwerke, gefördert durch die Wüstenrotstiftung und die Fördergemeinschaft zur Erhaltung des Schlosses Lichtenstein e.V. durchgeführt.»
Leider war es auch uns verwehrt, im Innern des Schlosses zu photographieren, aber schon von aussen ist der kühne Bau auf dem Felsvorsprung durchaus spektakulär. Leider liess die Beleuchtung etwas zu wünschen übrig, aber entsprechende Bilder finden sich ebenfalls auf der Homepage (oder wie üblich im Google…).
Nach dem Neustart gings dann so richtig los: eine Hochdruckreinigung von oben. Jedenfalls waren nach dem Trocknen im Fahrtwind die Autos allesamt wieder ordentlich sauber.
Nach einem reichhaltigen Mittagessen in Sigmaringen mit beinahe Aussicht auf das Hohenzollernschloss löste sich dann der Tross etwas auf. Die weitere Heimfahrt war gekennzeichnet durch ein paar unfreiwillige Umwege, aber man traf sich letztendlich wieder in Stein am Rhein, um von dort aus den Rest zu absolvieren.
Schloss Lichtenstein (Einführungsbild: Panoramasicht, kein Feind nähert sich unbemerkt....), Sigmaringen mit Schloss, Mittagessen (gespendet von den Jubilaren Chrigle und Wernie - nochmals vielen Dank!), letzte Besammlung in Stein am Rhein.
Epilog
Ich glaube, im Sinne der Meisten (natürlich in der Hoffnung, sogar Aller) zu schreiben, dass das CCC Wochenende Ausgabe 2024 ein Erfolg war und Gefallen gefunden hat. Die Stimmung war grossartig, wir hatten keine Pannen und schon gar keine Unfälle – und die paar Verfahrer hielten sich nicht zuletzt durch die tatkräftige Mithilfe von Alois durchaus in Grenzen.
Dank an Petra, die mich wie immer in letzter Zeit, bei der Bildproduktion tatkräfti unterstützt.
Mein herzlicher Dank als Co-Organisator geht an Bruno als tatkräftiger Mitorganisator, wie erwähnt an Alois, der uns immer wieder auf den korrekten Pfad zurückgeführt hat – und natürlich an alle Teilnehmer, ohne die es bekanntlich gar nicht ginge…
Yours very sincerely
Urs


















































































































































































































































































































